Franz KOGLMANN
geb. 1947 in Mödling (NÖ)
Franz Koglmann wuchs in Wien-Siebenhirten auf. Nach einer 3-jährigen Buchbinderlehre besuchte er das Prayner-Konservatorium und später das Konservatorium der Stadt Wien, an dem er Trompete und Jazz studierte.
1972 und 1973: Studienaufenthalte in New York und Philadelphia.
Ab Anfang der 1970er-Jahre arbeitete er mit Wiener Avantgarde-Jazzern wie Walter Malli, Harun G. Barrabas und Toni Michlmayr zusammen.
1973 gründete er das Label „Pipe Records“, über das er drei Schallplatten, unter anderem mit Steve Lacy und Bill Dixon, veröffentlichte. Beim „steirischen herbst“ in Graz gastierte die Koglmann-Gruppe 1974. Im von der Alternativszene besetzten Schlachthof St. Marx trat Franz Koglmann 1976 auf. Er beteiligte sich auch an Jazz-Workshops und verschiedenen Formationen.
Nachdem der Musiker und seine Lebensgefährtin Ingrid Karl schon seit 1978 zeitgenössische Konzerte in der Galerie nächst St. Stephan organisiert hatten, gründeten sie 1982 den Verein Wiener Musik Galerie. 1983 veranstaltete die Wiener Musik Galerie das dreitägige „Tatitu Tatatu“-Festival, in dessen Rahmen Koglmann sein „Pipetet“, ein Ensemble mit je vier Musikern aus dem Klassik- und Jazzbereich, mit der von dem bildenden Künstler Franz West inspirierten „Tanzmusik für Paszstücke“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. 1984 produzierte er für sein Label die LP Schlaf Schlemmer, Schlaf Magritte, für das er Jazz mit europ. Moderne unter Einsatz erstrangiger Instrumentalindividualisten verband.
Es folgten weitere LPs, CDs, Tourneen und die Gründung weiterer Ensembles (Trio „KoKoKo“ 1985, „Pipe Trio“ 1986, „Monoblue Quartet“ 1990).
1990: Uraufführung des Programms The Use of Memory bei den Donaueschinger Musiktagen;
1992: Uraufführung der viersätzigen Suite Cantos I IV (Originaltitel: Küss' die Hand, Jazz) beim Jubiläumsfestival der Wiener Musik Galerie „Incident in Jazz“ im Wiener Konzerthaus.
Die Uraufführung von Mélange de la promenade mit dem „Monoblue Quartet“ und einem Septett der Wiener Philharmoniker fand 1993 im Großen Musikvereinssaal in Wien statt, ein „Pipetet“-Konzert schloss sich 1994 im Rahmen des Festivals „Parallel Worlds“ im Rahmen von Wien Modern an. 1997 führte Koglmann beim Festival „Hörgänge“ im Wiener Konzerthaus mit seinem „Pipetet“ erstmals seine Kantate O Moon My Pin Up auf. Seine erste Oper Fear Death by Water wurde 2003 im Wiener Museumsquartier uraufgeführt. 2011 folgte das Ballett Identities (Uraufführung in Dortmund) sowie anlässlich der Wiener Festwochen 2013 die Oper Join!.
Im Jahr 2024 übernahm die Wienbibliothek im Rathaus seinen Vorlass.
Franz Koglmann im Thomas Sessler Verlag
Monographie von Ronald Pohl:
Franz Koglmann: Der kühle Jazz als Antrieb der Moderne
May 22, 2026, 14:45–16:15
zusammen mit Ronald POHL
Franz Koglmann und die Lektionen des Cool
Im hundertsten Jahr nach Miles Davis' Geburt scheint die Zeit gekommen, die Geburt der Moderne zu feiern, diese rekonstruiert aus dem Geist des „kühlen“ Jazz. Was hat es auf sich mit der zerebralen Deutung des Fortschritts – kommentiert und begleitet durch das melancholische Bewusstsein einer Kunstmusik, die sich auf einer Höhe weiß mit den Errungenschaften des Progressivismus – ohne jedoch die allfälligen Verluste von Unmittelbarkeit und Unschuld zu leugnen? Die Indienstnahme Jazz-affiner Satztechniken – diese genützt als Tools zur Gestaltung literarischer Texte – soll einen weiteren Bezug herstellen. Sie veranschaulicht den Parallelismus diverser Modernitäts- und Mobilitätsschübe, diesseits wie jenseits des Atlantiks. Auf dem Programm stehen Texte zu und mit Miles Davis – und über Franz Koglmann. Letzterer wird mehr bis minder spontan musizieren und intervenieren, ein Gespräch zur Verständigung soll folgen. Gewidmet sein soll es Koglmanns exemplarischer Künstlervita.